Methoden

 

Unser Ansatz in Kürze:

Tango-Therapie im Sinne von

 

In erster Linie tanzen wir Tango, arbeiten also direkt mit diesem außergewöhnlichen Paartanz und dem zugrundeliegenden Prinzip von Führen und Folgen. Die Charakteristika des Tango geben dabei bestimmte inhaltliche Schwerpunkte vor: gemeint ist die Bewegung als Paar und die Ausrichtung zueinander, was sich auch in der kontinuierlichen Umarmung ausdrückt. Anders als z.B. beim gefühlsgeleiteten Ausdruckstanz, bei dem man ganz in die eigene innere Welt „abtauchen“ und das Außen vergessen kann, sind wir ständig in Verbindung und erleben uns in Beziehung und im Dialog mit einem Gegenüber. Man könnte die Tango-Therapie somit als eine eigenständige Form der Tanztherapie mit einem Fokus auf dem Thema Beziehungen ansehen.

Anhand der inneren wie äußeren (Körper-)Haltung, der auftauchenden Gefühle, der Bewegungsmöglichkeiten, des vorhandenen Paarbewußtseins lassen sich spannende und weitreichende Erkenntnisse über unser Selbst gewinnen und deuten. Meist ist das Verhalten, das wir im Tango an den Tag legen, auch in anderen Situationen (Beziehung, Berufsleben etc.) aufzufinden, so dass die Einsichten und Erfahrungen aus dem Tango sich in andere Lebensbereiche übertragen lassen. Neben der reinen Erkenntnis über Ursachen und Zusammenhänge geht es jedoch darum, ungewollte Verhaltensweisen und veraltete Beziehungsmuster zu überwinden und im gewünschten Sinne neu zu gestalten. Daher versuchen wir, neue, körperlich fundierte Erfahrungen anzulegen, denn oft genug mangelt es nicht an mentaler Erkenntnis und Analysefähigkeit, aber an der tatsächlichen - erlebten und gespürten - Veränderung. Wenn eine Situation anders empfunden und vor allem neu gefühlt wurde, ist das wichtigste Fundament für eine echte Transformation gelegt.

Um einen vollständigen Eindruck der Beziehungssituation zu erhalten, arbeiten wir auch gerne mit dem Tausch der führenden bzw. folgenden Rolle. Auf diese Weise können die Teilnehmer unmittelbar erleben, wie es der jeweils anderen Seite ergeht und in fremde Schuhe schlüpfen. Besser als über jeden Erklärungs- oder Verständnisversuch lässt sich in kürzester Zeit vermitteln, was der/die Partner/in empfindet und warum er/sie wie (re)agiert. Der Rollentausch ermöglicht zudem, die jeweils ergänzende Qualität zur gewohnten und meist besser ausgeprägten Rolle auszubilden. Denn natürlich benötigen wir stets beide Seiten - das Führen und das Folgen -, um den Alltag sowie unsere Beziehungen bewusst zu gestalten und angemessen zu reagieren. Selten sind diese beiden Pole gleich stark ausgebildet und in einer inneren Harmonie. Der Rollentausch regt dazu an, auch den schwächeren Part in uns zu entwickeln und dadurch eine größere Palette an (Re)Aktionsformen in unser Leben zu bringen oder sprichwörtlich ganz andere Seiten an uns zu entdecken.

Dies gelingt auch über den (Tanz)Partnerwechsel, der im Tango sehr gebräuchlich ist, aber selbstverständlich nur freiwillig erfolgt. Während des Tanzens und auch in Übungen tauschen wir gelegentlich die Partner, um uns in noch ganz frischen, unbelasteten Begegnungen zu erleben bzw. ein anderes Auftreten zu üben. Manchmal fällt dies mit einer eher unbekannten Person leichter als mit dem eigenen (Tanz)Partner. Außerdem können unterschiedliche Menschen ganz verschiedene Aspekte in uns ans Licht bringen, so dass wir, wenn wir tatsächlich mehr über die Facetten unserer Persönlichkeit herausfinden möchten, hier eine wunderbare Gelegenheit haben, in mannigfaltige Spiegel zu blicken. Der Partnerwechsel erschafft eine Vielzahl an zusätzlichen, wertvollen Begegnungsoptionen. Hierzu gehört nicht nur die Begegnung mit dem anderen Geschlecht, sondern auch die mit dem eigenen! Unsicherheiten und emotionale Ladungen können nicht nur im klassischen Beziehungsrahmen, also innerhalb einer Partnerschaft auftreten. Gerade der Umgang und die Erfahrungen mit seinesgleichen stehen an der Wurzel des eigenen Mann- bzw. Frau-Seins und bestimmen in der Folge unser Paarverhalten. 

Um weitere Aspekte in die Arbeit einzubringen, die der Tango selbst nicht ausreichend zur Verfügung stellt, ergänzen wir unser Angebot um zusätzliche Hilfestellungen: kreative Einheiten, reine Körperübungen, Aufstellungsarbeit, Meditationen etc. gehören zu unserem inhaltlichen Programm dazu. Je nach Thema oder aktuellem Fokus „mischen“ wir die passenden Impulse und Spürübungenen zusammen. So kann es sein, dass wir mit Farben ein Beziehungsbild malen oder im Rahmen einer Meditation auf die innere Spur nach Kraftquellen gehen. Über die systemische Aufstellungsarbeit lässt sich das Verhältnis zu Vater und Mutter ansehen oder mit inneren Anteilen in Kontakt kommen. Körperarbeit offenbart uns, wie es um unser Verhältnis zum eigenen Körper steht und welche Gefühle hier gespeichert sind. Während es beim Tango immer um ein „Zweier-Setting“ geht, arbeiten wir auch mit Einzel- und Gruppenübungen, um den Fokus einmal ungestört auf sich selbst richten bzw. sich im erweiterten sozialen Kontext erleben zu können.

Insgesamt bietet die Tango-Therapie mit diesen Anreicherungen einen sehr abwechslungsreichen (Selbst)Erfahrungs-Pool und ermöglicht Veränderungs-Impulse auf vielen Ebenen. Letzten Endes entscheidet jedoch jeder Teilnehmer selbst, was er momentan für sich mitnehmen kann und möchte. So wie beim Tango manche Aufforderung zum Tanzen angenommen, die andere abgelehnt wird, kann sich die Tango-Therapie als seligmachende Begegnung und unvergesslicher Tanz entpuppen oder eine Erfahrung sein, die gerade aus den verschiedensten Gründen nicht passt. Herz und Bauch wissen es :-)